Das deutsche Gesundheitssystem in der Wahrnehmung der Bevölkerung
Das deutsche Gesundheitssystem genießt in der Bevölkerung nicht den besten Ruf. Zwar finden lediglich 16 % der Befragten, dass Gesundheitssysteme anderer europäischer Staaten besser seien, doch erhält unser System gerade mal ein „Befriedigend“ als Beurteilung. Noch schlechter trifft es da Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, deren Politik lediglich ein gutes „Ausreichend“ bescheinigt wird. Die Mehrheit der Befragten sieht das Preis-Leistungs¬verhältnis bei Ihrer Krankenkasse nicht gewahrt. Kostentreiber werden vor allem in der hohen Arbeitslosigkeit und den gestiegenen Medikamentenpreisen gesehen. Doch sind sich die Anhänger der verschiedenen Parteien in einem einig: Ein Regierungswechsel bringt keine wesentliche Besserung.
Seit geraumer Zeit wird das deutsche Gesundheitssystem in den Fachkreisen heftig kritisiert, die Reformen der letzten Jahre in Frage gestellt und der Ruf nach einer grundlegenden Veränderung immer lauter. Aber wo steht das Gesundheitssystem in den Augen der Versicherten? Machen es andere europäische Länder in der Gesundheitspolitik besser?
Trotz aller Kritik am Gesundheitssystem ist die deutliche Mehrheit der Deutschen mit unserem Gesundheitssystem zufrieden. Gut jeder Dritte (37 %) findet es besser verglichen mit dem der meisten anderen europäischen Länder, lediglich 16 % sehen Nachteile zu anderen europäischen Ländern. Isoliert betrachtet erhält das deutsche Gesundheitssystem von den Versicherten lediglich ein „Befriedigend“. Hier ist ein deutlicher Alterstrend feststellbar. Während sich bei den jüngeren Befragten eine Durchschnittsnote von 2,92 ergibt, verschlechtert sich diese bei den älteren auf 3,28. Es zeigt sich, dass Zielgruppen mit stärkerem Bedarf an Krankenversicherungsleistungen eine deutlich kritischere Haltung einnehmen.
Deutlich unzufriedener als mit dem Gesundheitssystem sind die Versicherten mit der Arbeit von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Sie erhält mit einer Durchschnittsnote von 3,75 lediglich ein gutes „Ausreichend“. Auch bei dieser Beurteilung ist wieder ein deutlicher Alterstrend feststellbar: In der Altersgruppe 45 Jahre und älter wird Frau Schmidt mit 3,96 am schlechtesten benotet. Selbst bei den Anhängern der Regierungsparteien reicht es nur zu einem schwachen „Befriedigend“.
Hauptgrund der hohen Beiträge ist nach Ansicht der Befragten die hohe Arbeitslosigkeit und die dadurch entstandenen Beitragsausfälle. Als weiterer wichtiger Beitragsfaktor werden die hohen Medikamentenpreise vermutet. Bedeutung für die Beitragsituation haben zudem die schlechte Gesundheitspolitik, die ungesunde Lebensweise der Bevölkerung und die sich verschlechternde Altersstruktur. Die Krankenhauskosten und Arzt- und Zahnarzthonorare werden trotz ihres hohen Anteils an den Ausgaben der Krankenversicherungen dagegen erheblich seltener als Ursache für die Beitragsentwicklung vermutet.
Ein Regierungswechsel wird die Probleme unseres Gesundheitssystems nicht besser in den Griff bekommen als die derzeitige Regierung. Dies zumindest ist die deutlich mehrheitliche Meinung der Versicherten. Selbst Anhänger der Oppositionsparteien sehen die Perspektive eher negativ. Bei den Erwerbstätigen ist das Vertrauen in eine neue Regierung deutlich geringer als bei den Nichterwerbstätigen. 71 % der Erwerbstätige glauben, dass auch eine neue Regierung keine Besserung bringen würde, bei den Nichterwerbstätigen sind dieser Meinung mit 64 % deutlich weniger. Auch zwischen alten und neuen Bundesländern bestehen Divergenzen: Während in den alten Bundesländern 67 % bezweifeln, dass ein Regierungswechsel hilft, sind es in den neuen Bundesländern mit 72 % sogar noch 5 Prozentpunkte mehr.
Zur Studie
Produkt + Markt führte in der 23. Kalenderwoche 2005 eine bundesweit repräsentative Erhebung zum deutschen Gesundheitssystem durch. Zielgruppe der Erhebung war die deutschsprachige Bevölkerung ab 18 Jahren. 801 Personen wurden zufällig ausgewählt und mittels CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing) befragt. Zentrale Fragestellungen waren u. a. die Einstellung der Bevölkerung zum Gesundheitssystem in Deutschland sowie die Problemlösungskompetenz, die der Politik zugeschrieben wird.
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