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Flüchtlingskrise in Europa

Helfen oder nicht helfen?

Sollte der europäische Kontinent in der aktuellen Flüchtlingskrise mehr Hilfe anbieten? Die Mehrheit der Europäer spricht sich klar dafür aus – solange es nicht unbedingt vor der eigenen Haustür, also im eigenen Heimatland, geschieht.

Eine neue Studie der westeuropäischen Partner des WIN Netzwerkes stellt heraus, dass die Mehrheit der Europäer denkt, der Kontinent könnte mehr Hilfe für Flüchtlinge anbieten. Auf Länderebene sieht dies aber anders aus. Wenige fordern mehr Hilfe durch das eigene Land oder würden selber mehr helfen. Die Erhebung in Deutschland hat Produkt + Markt aus Wallenhorst bei Osnabrück realisiert.

Mehr als jeder Zweite denkt (57%), Europa sollte in der aktuellen Flüchtlingskrise mehr tun. Italiener (83%) und Griechen (87%) sind signifikant häufiger als andere der Meinung, dass wir mehr Unterstützung anbieten sollten. Wohingegen Belgier (41%) und Franzosen (37%) sich eher dafür aussprechen weniger zu helfen als bislang.

Mit 55% sind mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland der Meinung, dass die EU mehr Hilfestellungen leisten sollte, lediglich jeder Fünfte sieht weniger Hilfestellungen als angemessen an. Beim Engagement Deutschlands hingegen findet nur noch jeder Fünfte eine Steigerung angemessen. Jeweils 40% bewerten das Engagement Deutschlands als genau richtig bzw. sollte eingeschränkt werden. Mit höherem Bildungsabschluss steigen die Erwartungen an das Engagement der EU, allerdings sinkt auch der Anteil derer, die eine Einschränkung des Engagements Deutschlands wünschen.

Wird nach den individuellen Einstellungen zu Wirtschaftsflüchtlingen gefragt, ergibt sich folgendes Bild: Die Mehrheit (59%) der Befragten aus insgesamt 14 europäischen Ländern gibt an, Wirtschaftsflüchtlinge wären eine Belastung für ihr Land, da sie Jobs und Wohnraum belegen und das Gesundheitssystem belasten. So stimmen insbesondere die Länder, die momentan vorrangig das Zielland der Flüchtlinge sind, dem Statement „Sie stärken unser Land durch ihre harte Arbeit und ihre Fähigkeiten" am wenigsten zu - UK (36%), Italien (32%), Deutschland (35%), Frankreich (35%).

In Deutschland sind es eher jüngere Befragte und Personen mit höheren Nettoeinkommen, die etwas häufiger die Chancen sehen, die Flüchtlinge mit sich bringen.

Werden die Studienteilnehmer persönlich gefragt, ob Sie bereit wären, einen Flüchtling für eine kurze Zeit bei sich aufzunehmen, bis die Papiere/Anträge abschließend bearbeitet sind, antwortet jeder Dritte (35%), dass sie jemanden aufnehmen würden, Zweidrittel (65%) aber würden kein Zimmer anbieten. Die Bulgaren (86%), Briten (80%) und Niederländer (73%) verweigern eine Notunterkunft am ehesten, wohingegen Spanier (62%), Griechen (48%) und Deutsche (48%) am häufigsten einen Schlafplatz zur Verfügung stellen würden.

In Deutschland wird sehr deutlich zwischen politischen und Wirtschaftsflüchtlingen unterschieden – so würden zwar auch 18% einen Wirtschaftsflüchtling aufnehmen, aber immerhin 27% nur einen politischen Flüchtling. Die Bereitschaft zur Aufnahme nimmt mit steigendem Alter ab.

Stichprobe und Datenerhebung:

Produkt + Markt hat eine national repräsentative Stichprobe für Deutschland von 1.000 Personen ab 16 Jahre Mitte November (11. bis 18.11.) 2015 online befragt. Diese Studie ist Teil einer großen, gemeinsamen Umfrage, durchgeführt vom WIN Netzwerk in 14 europäischen Ländern – mit insgesamt 13.857 Befragten, jeweils repräsentativ für ein einzelnes Land.

Die ausgewiesenen Werte für Europa wurden entsprechend der Ländergrößen gewichtet und zu einem europäischen Gesamtwert zusammengeführt.

Über Produkt + Markt

Produkt + Markt ist das deutsche WIN Mitglied (Worldwide Independent Network of Market Research) des Netzwerkes.

Produkt + Markt steht als inhabergeführtes Full-Service-Institut mit über 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für kompetente und innovative Marktforschung, national und weltweit. 1973 gegründet, gehören wir zu den 15 größten Anbietern in Deutschland und genügen sowohl in der qualitativen als auch quantitativen Marktforschung den höchsten Ansprüchen.

Über WIN

WIN, das führende Netzwerk von Markt- und Meinungsforschungsinstituten, umfasst 77 unabhängige Markt- und Meinungsforschungsinstitute, die jeweils zu den größten ihres Landes gehören, mit einem Gesamtumsatz von über 500 Mio € und deckt etwa 95% des Weltmarktes ab. Es bildet eine globale Plattform für die gemeinsame Durchführung internationaler Projekte und gewährleistet dabei ein Höchstmaß an Professionalität und Qualität in der Datenerhebung. Mit nur einem Mitglied pro Land arbeiten die Netzwerk-Mitglieder intensiv zusammen, teilen ihre Kompetenz, neue Erhebungstechniken und Tools, sodass sie ihren Kunden die besten Lösungen für internationale Forschungsprojekte sowie den entsprechenden Service bieten.

Weitere Informationen sind zu entnehmen: www.wingia.com

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