Design Thinking erobert die Unternehmenswelt!

Innovation mit Methode

Design Thinking gehört aktuell zu den populärsten Methoden, wenn es um systematisch-kreative, kundenzentrierte Innovation geht. In Kombination mit lange bewährten Kernkompetenzen der Marktforschung führt dieser Ansatz erfolgreich zu den innovativen Produkten und Dienstleistungen, die punktgenau auf die Wünsche und Bedürfnissen der Kunden zugeschnitten sind.

Was genau bedeutet Design Thinking überhaupt?

Beim Design Thinking geht es darum, erfinderisch zu denken und zu gestalten – dazu gehört auch, zu Beginn des Prozesses noch nicht genau zu wissen, wohin die Reise führt. Komplexe Problemstellungen werden systematisch angegangen, der Mensch und seine Bedürfnisse stehen dabei immer im Mittelpunkt. Daher ist eine ständige Rückkopplung zwischen dem Entwickler der Idee und der  Zielgruppe erforderlich.

Wie sieht das konkret aus?

Design Thinking entwickelt Ideen zum Anfassen. Diese werden möglichst früh in Form von Prototypen erlebbar gemacht und hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit direkt durch die Zielgruppe unter die Lupe genommen. Mögliche Mängel können im nächsten Schritt ausgemerzt werden. Das Ziel ist es, Schwächen möglichst früh zu erkennen und zu verändern.

Knete, Bauklötze, Stifte, Lego – um die Prototypen zu erstellen, ist eine kreative Umgebung unerlässlich. Da darf es auch schon mal aussehen wie in einem Kinderzimmer. Alles ist erlaubt; es darf gebastelt, gebaut und gekritzelt werden.

Auch die Zusammensetzung der Teilnehmer am Design Thinking-Workshop ist entscheidend. Um möglichst vielfältige Herangehensweisen an die Aufgabenstellung zu fördern, ist eine Zusammensetzung der Teilnehmer aus möglichst vielen unterschiedlichen Disziplinen (z. B. Berufsgruppen) empfehlenswert.

Wie funktioniert solch ein Design Thinking-Prozess genau?

Der Design Thinking Prozess besteht aus fünf Phasen: Der Einfühlphase, der Formulierung der Design Thinking-Challenge, der Ideenentwicklung, der Prototypen-Erstellung und der Test- und Feedback-Phase.

1. Einfühlphase

Zunächst einmal müssen sich die Teilnehmer in die Zielgruppe einfühlen und ein Verständnis für den Menschen aufbringen. Die Probleme der  Kunden müssen identifiziert und verstanden, ihre Bedürfnisse erkannt werden. Das kann z. B. durch Beobachten der Lebenswelt oder durch Tiefengespräche erfolgen. Die Teilnehmer am Design Thinking-Prozess können sich auch selbst in die Lebenswelt der Zielgruppe begeben und so am eigenen Leib erfahren, wie sich das jeweilige Fokusthema für sie anfühlt.

Nehmen wir einmal als Beispiel die Energiebranche. In der Einfühlphase können die Teilnehmer Tiefengespräche mit Energiekunden führen, um zu eruieren, wo Berührungspunkte mit dem Thema Energie im Alltag bestehen, welche Unmet Needs die Zielgruppe hat oder wo Probleme liegen. Auch ist es möglich, in den Alltag der Energiekunden einzutauchen und die entsprechenden Aspekte live zu beobachten. Ein dabei aufgedecktes Problem oder Bedürfnis könnte z. B. sein, dass der Energieverbrauch im Alltag für den Kunden kaum transparent und somit auch die Höhe der Stromrechnung kaum abschätzbar ist. Das „böse Erwachen“ folgt oftmals erst mit der alljährlichen Stromabrechnung.

2. Design Thinking-Challenge

Was ist überhaupt unser Ziel? Der nächste Schritt besteht darin, die sogenannte Design Thinking-Challenge zu formulieren, also die Zielfragestellung des Workshops. Dabei darf gerne mit Superlativen gearbeitet werden – schließlich werden ja keine mittelmäßigen, sondern herausragende Ideen gesucht. In unserem Beispiel könnte die Challenge lauten „Wie schaffen wir es, den Energieverbrauch absolut transparent zu machen, sodass der Energiekunde jederzeit weiß, welche Energiekosten bisher anfallen?“.

3. Ideenentwicklung

Mit verschiedenen Kreativtechniken werden nun die Ideen entwickelt. So kann man sich bspw. von Innovationen aus anderen Branchen inspirieren lassen, deren Kernnutzen dann auf die Problemstellung übertragen wird. Oder man bedient sich der Mash-Up-Technik, bei der Elemente aus zwei völlig unterschiedlichen Kategorien miteinander kombiniert werden, um den Denkrahmen zu erweitern. Zum Beispiel werden erst einmal alle Assoziationen zum Thema „Energie“ gesammelt, anschließend zu einem völlig anderen Thema wie z. B. „Urlaub“ oder „Hotel“. Durch Verknüpfung von Elementen beider Themenwelten können völlig neue Ideen entstehen.

4. Prototypen

Aus den vielversprechendsten Ideen erstellen die Teilnehmer Prototypen, die sie der Zielgruppe dann live demonstrieren. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Neben unterschiedlichsten Materialien können auch Rollenspiele zum Einsatz kommen. Hauptsache erlebbar. Bleiben wir bei unserem Energie-Beispiel, kann bspw. die Kostenstruktur für einen Energie-Flatrate-Tarif entwickelt werden. Oder die Teilnehmer basteln einen Prototypen von einem tagesgenauen Stromzähler, über den neben dem kwh-Verbrauch auch die angefallenen Stromkosten je Tag einsehbar sind.

5. Test und Feedback

Es folgt der Live-Test des Prototypen durch die Zielgruppe. Dabei werden direkt mögliche Schwachstellen oder Unklarheiten sichtbar. Nach dem Live-Test erhalten die Entwickler direkt wirksames Feedback durch die Zielgruppe.

Die Teilnehmer können nun in eine frühere Prozessphase „zurückspringen“, um zu optimieren und zu verfeinern. Wurden Bedürfnisse bspw. falsch verstanden, kann ein Rücksprung zur Einfühlphase stattfinden. Ist die bereits gefundene Idee zwar im Grundsatz gut, jedoch noch nicht optimal ausgereift, kann die Prototypenentwicklung aufs Neue erfolgen. Anschließend werden die nachfolgenden Prozessphasen erneut durchlaufen.

Marktforschung macht Design Thinking noch erfolgreicher!

Marktforscher sind es gewohnt, sich in die jeweilige Zielgruppe hineinzuversetzen und deren Bedürfnisse bis ins Detail zu verstehen. Gerade die Faktoren, die in der Einfühlphase des Design Thinking-Prozesses relevant sind, gehören zum Kerngeschäft der Marktforschung. Wir wissen, wie man Kundenbedürfnisse aufdeckt und sind ebenfalls in der Innovationsforschung – die Ideenphase im Design Thinking-Prozess – zu Hause. Es ist daher nur logisch, dass Design Thinking das Marktforschungsportfolio ergänzt.


Ähnliche Beiträge

Unternehmensentwickung mit LEGO® SERIOUS PLAY®LEGO® SERIOUS PLAY® ist eine Methode, um Innovationen zu fördern. Das Bauen mit Händen fördert aber nicht nur Kreativität und Perspektivwechsel, sondern führt auch zu einem tieferen Verständnis von Teams und Organisationen. Innovationsexpertin und Agile ...weiterlesen
User wollen LebensqualitätUm Innovationen zu finden, arbeitet Produkt + Markt schon länger mit Design Thinking. Aber auch dieser Prozess kann ins Stocken geraten. Wie man einige Hürden beseitigt und den Prozess schneller und effektiver gestaltet, beschreiben Heiner Junker und Julia David ...weiterlesen
Mit Impulskarten zu mehr LebensqualitätWie kann ein Produkt oder Service die Lebensqualität von Usern verbessern? Antworten darauf geben die von Produkt + Markt neu entwickelten Impulskarten zu Lebensqualität. Im Rahmen der User Centricity bereichern und beschleunigen sie den Entwicklungsprozess von ...weiterlesen
Die Zeit drängt!Der Weckruf ist bei Banken und Sparkassen und anderen Dienstleistern in der Finanzbranche angekommen: Künstliche Intelligenz wird das klassische Beratungs- und Vertriebsgeschäft grundlegend verändern. Die PSD2-Richtlinie der EU wird mehr Wettbewerb ...weiterlesen
P+M trainiert internationale Design ThinkerBauen, basteln, wirksam erfinden – Design Thinking wird als Innovationsansatz auch in Unternehmen immer beliebter. Umso wichtiger ist es daher, unsere bewährten Techniken und Expertise auf diesem Gebiet auch international verfügbar zu machen. Um diesem Anspruch ...weiterlesen
Design Thinking: Im Sprint zur InnovationBauen, basteln, wirksam erfinden – Design Thinking (DT) verwandelt graue Workshop-Räume in bunte Innovationstreibhäuser. In der Praxis haben sich sogenannte DT-Sprints bewährt. Julia Koch und Julia David gewähren in ihrem Artikel in Research & Results einen ...weiterlesen
Design Thinking und MarktforschungMit Design Thinking wollen Unternehmen Lösungen finden, die den Kunden überzeugen. Beraterin Ingrid Gerstbach und Marktforscherin Julia David von Produkt + Markt schildern auf www.planung-analyse.de im Zwiegespräch die Möglichkeiten, die sich aus der Verzahnung von ...weiterlesen
Spielerisch und mobil junge Männer ködernMänner unter 30 Jahren sind eine schwer zugängliche Zielgruppe. Sie zu rekrutieren und zu aktivieren stellt bisweilen eine echte Herausforderung dar. Doch mit Strategien wie Gamification und der mobilen Optimierung von Befragungen lassen sich junge Männer für die ...weiterlesen
Verordnungsverhalten: Den Arzt im BlickFür Hersteller verschreibungspflichtiger Medikamente steht nicht nur der Patient im Mittelpunkt, sondern genauso sehr der Arzt, der das Präparat verschreibt. Katja Birke zeigt in planung & analyse, mit welchen impliziten Techniken sich verborgene Einstellungen ...weiterlesen
Neuordnung des Strommarktes stößt auf gemischtes Echo Es scheint ausgemacht zu sein: RWE und E.ON werden die RWE-Tochter innogy unter sich aufteilen. Das innogy-Vertriebsgeschäft und der Netzbetrieb sollen dabei vollständig an E.ON gehen. Im Gegenzug übernimmt RWE von E.ON und innogy das komplette Geschäft zur ...weiterlesen
Mit Design Thinking zu neuer DenkhaltungDesign Thinking ist aktuell die wohl populärste Methode zur systematisch-kreativen und kundenzentrierten Innovationsentwicklung. Beim 5. Hamburger Innovationsfrühstück diskutierten im Januar Marktforschungsexperten verschiedenster Branchen die Herausforderungen, vor ...weiterlesen
CX: Emotionen erfolgreich managenPositive Kundenerlebnisse und eine daraus resultierende emotionale Bindung erleichtern nachhaltige Geschäftsbeziehungen. Doch um die Customer Journey für den Kunden entsprechend positiv zu gestalten, muss man das Erleben des Kunden während der Interaktion mit dem ...weiterlesen
10 frisch zertifizierte Design Thinking Facilitators für P+MDesign Thinking erobert die Unternehmenswelt und stellt die Marktforschungsbranche vor neue Herausforderungen! Aktuell ist Design Thinking die wohl populärste Methode zur systematisch-kreativen und kundenzentrierten Innovationsentwicklung. Doch viele ...weiterlesen
Katja Birke im Interview mit Pharma RelationsWarum verordnet der Arzt unser Präparat oder doch eher das der Konkurrenz? Wie empfinden unsere Kunden eigentlich unsere Marke? Und wie können wir damit umgehen, wenn ein Konkurrent auf den Markt drängt? Katja Birke spricht im Interview mit Pharma Relations über ...weiterlesen
Verstehen durch ErlebenSie wollen wissen, ob Ihr Präparat im Markt gut aufgestellt ist und welches Rüstzeug es für die Zukunft braucht? Die Methode Strukturaufstellung ermöglicht Ihnen, konkret die aktuelle Position Ihres Produktes oder Ihrer Marke zu erleben – im Markt, im Vergleich ...weiterlesen
Auf Reisen: Mit Online-Communitys Touchpoints und Customer Journeys optimierenJeder Kontakt mit einer Marke kann einen Moment of Truth darstellen. Um Customer Experience und Customer Journey positiv zu gestalten, gilt es daher, Touchpoints sicher zu identifizieren und zu kontrollieren. Wie das mithilfe von Online-Communitys verlässlich gelingen ...weiterlesen
Messen mit Bildern: Was den Wähler berührtMarken sind ein hochemotionales Thema. Und dass auch der Parteien- und Kandidatenpräferenz kein rein rationaler Abwägungsprozess zugrunde liegt, sondern auch „Gefühlssache“ ist, findet im Wahlkampf umfassend Berücksichtigung. Es gilt, den Wähler nicht nur ...weiterlesen
Auf den Punkt kreativCreative Problem Solving (CPS) eignet sich ausgezeichnet für die Erarbeitung neuer und origineller Lösungen entlang der Consumer Journey. Heiner Junker ist Certified Facilitator CPS und Certified Design Thinking Facilitator und erklärt, was es damit auf sich ...weiterlesen
Kreativität zum AnfassenMit welchen Methoden generieren wir noch tiefgründigere Insights von unseren Zielgruppen? Die Lösung: Mit Kreativität. Unter dem Motto “Kreativität zum Anfassen” lud Produkt + Markt im September 2016 zum Praxisworkshop nach Hamburg. Ein ...weiterlesen
Tiefe EinblickeInnovationen sind keine Glückstreffer, sondern bedürfen Arbeit und der richtigen Inspiration. Doch wie findet man die Idee, die bei ihrer Markteinführung nicht floppt? Online-Communities bieten die Möglichkeit, gemeinsam mit Konsumenten wirksam und effektiv neue ...weiterlesen
Von Insights zur ErleuchtungWie zapft man das Ideenpotenzial kreativer Verbraucher am besten an? Ein Weg ist unsere Online Community IN|SPIARY, die dieses Ideenpotenzial, die Stimulation des Alltags sowie inspirierende Moderations- und Kreativtechniken miteinander verbindet. Wie wir damit ...weiterlesen
Wenn Produkte sprechen lernenHat Ihr Produkt schon einmal direkt zu Ihnen gesprochen? Fühlt es sich gut positioniert oder vernachlässigt? Spätestens bei dieser Vorstellung stoßen konventionelle quantitative und qualitative Befragungstechniken an ihre Grenzen. Strukturaufstellungen können hier ...weiterlesen
Was macht die Zahnbürste in Ihrem Mund?Sind Sie sich morgens jeder Bewegung Ihrer Zahnbürste in Ihrem Mund bewusst? Oder hängen Sie Ihren Gedanken nach? Vermutlich können Sie diese Fragen nicht objektiv authentisch beantworten, da einem die eigenen Einstellungen und das eigene Verhalten nicht immer ...weiterlesen
EthnographieWann haben Sie zuletzt einen Ihrer Kunden in seinem persönlichen Lebensumfeld getroffen? Wie viele authentische, lebensechte Insights haben Sie zu seinen alltäglichen Routinen und Produktnutzungen? Kennen Sie seine geheimen Wünsche, Bedürfnisse und Motive gut ...weiterlesen
Produktmarktforschung der ZukunftWie sieht die Produktmarktforschung der Zukunft aus Sicht internationaler Experten aus? Diese Frage haben Vertreter des internationalen WIN-Netzwerks im Gespräch mit der Fachzeitschrift planung & analyse diskutiert. Im WIN-Netzwerk haben sich Markt- und ...weiterlesen
Man muss sich Geistesblitze erarbeitenEine zündende Idee kommt so gut wie niemals aus dem Nichts. Am Beginn eines Innovations- oder Ideation-Prozesses steht fast immer ein Fuzzy-Front-End, das von qualitativen Kreativtechniken geprägt ist. Wie wird aus dieser unscharfen Ahnung jetzt ein klarer ...weiterlesen
Geschmack überprüfen statt darüber zu streitenÜber Geschmack lässt sich zwar streiten, doch ob der Geschmack den Verbrauchern zusagt, lässt sich durchaus überprüfen. Damit Produktentwickler ihre Produkte systematisch verbessern können, benötigen sie objektive Daten über die jeweiligen Sinneseindrücke. ...weiterlesen
Qual und Co-CreationQualitative Marktforschung und Co-Creation ergänzen sich ideal, sind aber völlig verschiedene Disziplinen, die jeweils sehr unterschiedliche Kompetenzen fordern. Richtig eingesetzt kann man so inspirierende Einblicke in die verborgenen Wünsche und Motive der ...weiterlesen
TREND|CAFÉInnovationen sind für Unternehmen essentiell, jedoch auch eine große Herausforderung. Gute Ideen fallen nicht vom Himmel. Wie generieren Sie also am besten Ideen, gewinnen Insights und erkennen Trends? Welche Bedürfnisse hat Ihre Zielgruppe? Und wie vermarkten Sie ...weiterlesen