Woran digitale Agrartechnik im Alltag scheitert und welche Fragen Hersteller stellen sollten

Produkt + Markt macht sichtbar, wo digitale Agrartechnik im Alltag Nutzen verliert

Digitale Agrartechnik ist auf vielen Höfen angekommen. Doch was auf dem Feld präzise und automatisiert läuft, hakt im Büroalltag der Landwirtinnen und Landwirte.

Die Mehrheit der professionellen Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland setzt digitale Agrarlösungen ein. Besonders bei der Steuerung und Verwaltung von Arbeitsprozessen läuft vieles automatisiert und datenbasiert. Gleichzeitig zeigen unsere Daten: Die Betriebe nutzen vorhandene Features nicht voll aus. Daten bleiben in einzelnen Systemen liegen. Der erwartete Nutzen kommt im Alltag nicht überall an.

Einsatzbereiche digitaler Lösungen

  1. Produktionsmanagement im Büro
  2. Automatisierung und Präzisierung der Feldarbeit
  3. Stallarbeit bzw. Tiermonitoring

Digitale Landwirtschaft: Wenn fehlender Nutzen zu Frust und Vertrauensverlust führt

Wenn digitale Lösungen nicht sauber in den Alltag passen, hat das Folgen. Landwirtinnen und Landwirte verlieren Zeit. Fahrerinnen und Fahrer suchen Einstellungen. Betriebsleiter prüfen Daten nach. Teams geben Informationen doppelt ein.

Die Folge: Mehraufwand statt Effizienzvorteile!

Das ist den Landwirtinnen und Landwirten durchaus klar. In unserer Beispielstudie sagen ein Viertel der Betriebe, dass sie digitale Prozesssteuerung und Verwaltung gar nicht nutzen. Dazu schätzen 40 Prozent ihre Kompetenz bei arbeitsnahen digitalen Tätigkeiten als zu gering ein. Gleichzeitig planen fast alle, ihre Nutzung in den nächsten 3 Jahren deutlich zu steigern.

Für Hersteller ist das entscheidend. Wenn digitale Lösungen im Alltag haken, leidet nicht nur die Nutzung einzelner Features. Auch das Vertrauen in Digitalisierung, Service und Marke kann sinken. Die nächste digitale Neuerung startet dann nicht bei Neugier. Sie startet bei Skepsis.


Fünf Gründe, warum Daten und Features nicht genutzt werden

  1. Systeme sprechen nicht gut genug miteinander
    Daten entstehen auf der Maschine. Sie sollen ins Farmmanagementsystem. Und von dort sollen sie in die Dokumentation, in die Planung oder in die nächste Entscheidung einfließen. Genau an diesen Übergängen hakt es oft. Das ist mehr als ein technisches Problem. Es ist ein Alltagsproblem. Jeder zusätzliche Export, Import oder manuelle Zwischenschritt kostet Zeit.
  2. Daten kommen nicht dort an, wo sie gebraucht werden
    Eine Applikationskarte ist geplant. Der Auftrag steht im Büro. Aber auf dem Schlepper erscheint er nicht oder erst nach mehreren Zwischenschritten. Dann beginnt kein digitaler Arbeitsprozess. Dann beginnt ein Suchlauf. In solchen Momenten entscheidet sich, ob eine digitale Lösung als Hilfe wirkt oder als weiterer Punkt auf der To-do-List
  3. Gerätewechsel und Rollenwechsel brechen Abläufe auf
    Auf vielen Betrieben wechseln Maschinen, Geräte und Personen. Der Fahrer steigt vom Schlepper auf den Häcksler um. Die Spritze wird an einen anderen Traktor gekoppelt. Der Betriebsleiter plant. Eine andere Person setzt um. Wenn Einstellungen, Aufträge oder Flächendaten dabei verloren gehen, muss der Betrieb nacharbeiten. Was digital laufen sollte, landet wieder im Kopf einzelner Personen, auf Zetteln oder in zusätzlichen Telefonaten.
  4. Der Einstieg ist zu steil
    Viele Landwirtinnen und Landwirte probieren neue Technik zunächst selbst aus. Sie testen, tüfteln, fragen nach und suchen Lösungen. Manches funktioniert. Manches bleibt liegen. Das liegt nicht an Desinteresse. Oft fehlt eine Einführung, die zum Arbeitsalltag passt. Der Einstieg ist zu komplex ist. In unserer Beispielstudie wünschen sich 38% der Betriebe Schulung, Training und Hilfe durch Hersteller oder kompetente Berater und Beraterinnen – persönlich, bedarfsgerecht und individuell. Hier liegt eine große Chance für Hersteller. Gute Schulung, klare Hilfe und einfache Einstiege können aus ungenutzten Features echte Arbeitserleichterung machen.
  5. Der Nutzen wird zu spät spürbar
    Landwirtinnen und Landwirte vergleichen digitale Agrartechnik nicht nur mit anderer Agrartechnik. Sie vergleichen sie auch mit digitalen Anwendungen aus ihrem Alltag. Messenger, Online-Shops oder Banking-Apps funktionieren schnell und intuitiv. Diese Erfahrung prägt Erwartungen. Wenn Agrarsoftware kompliziert wirkt, entsteht schnell der Eindruck: Das lohnt sich nicht. Dann bleiben Features ungenutzt. Nicht, weil sie keinen Wert haben. Sondern weil ihr Wert im Alltag nicht schnell genug spürbar wird.

Was Hersteller digitaler Agrartechnik ihre Kundinnen und Kunden fragen sollten

Digitale Agrartechnik gewinnt nicht allein durch neue Funktionen. Sie gewinnt, wenn Betriebe sie sicher anwenden, Daten weitergeben und Nutzen im Alltag spüren. Das erfordert ein tiefes Verständnis der Arbeitswelt von Landwirtinnen und Landwirten. Nur wer beobachtet, wie sie tatsächlich arbeiten, wo sie scheitern, wo sie Umwege nehmen, wo der Nutzen verloren geht, kann die richtigen Fragen stellen und passende Lösungen entwickeln.

Zum Beispiel:

| Wo erleben Landwirtinnen und Landwirte digitale Lösungen als Arbeitserleichterung und wo als zusätzlichen Aufwand?

| An welchen Stellen verlieren digitale Services im Arbeitsalltag ihren Nutzen?

| Welche Features nutzen Landwirtinnen und Landwirte nicht, obwohl sie ihnen helfen könnten?

| Welche Unterstützung brauchen Betriebe, damit aus Funktionen Anwendung wird?

| Welche Maßnahmen stärken Nutzung, Zufriedenheit und Vertrauen in Marke, Händler und Hersteller?

Mit Marktforschung und UX-Research zu digitalen Agrarlösungen, die im Alltag besser ankommen

Quantitative Analysen geben wertvolle Hinweise, welche Lösungen Landwirtinnen und Landwirte nutzen, welche Features liegen bleiben und wo der Nutzen abbricht. UX-Research und Ethnografie gehen einen Schritt tiefer. Sie zeigen, wie Menschen auf dem Hof, auf der Maschine und im Büro tatsächlich arbeiten. Sie machen sichtbar, welche Umwege, Routinen und kleinen Ärgernisse im Alltag entstehen.

Das ist wichtig, weil auch Landwirtinnen und Landwirte nicht nur rational entscheiden. Natürlich zählen Kosten, Zeit, Effizienz und technische Leistung. Aber auch Frust, Unsicherheit, Stolz, Vertrauen und Kontrolle prägen, ob digitale Lösungen genutzt werden oder nicht. Wer diese Faktoren versteht, kann passendere Lösungen entwickeln. Und Hersteller können auf teure Features verzichten, die in Präsentationen gut aussehen, im Alltag aber kaum jemand nutzt.


Sie möchten digitale Agrarlösungen entwickeln, die im Alltag besser funktionieren? Sprechen Sie mit Grischa Muchowski darüber, wie Marktforschung und UX-Research Nutzung, Frustpunkte und ungenutzte Potenziale sichtbar machen.

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