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Warum man nicht nur über die User, sondern mit ihnen sprechen sollte

Interview zum Deeper Insights Day zum Thema Agile Forschung



Veröffentlicht in der planung&analyse am 8. November 2022

Agilität ist in aller Munde. Aber was genau bedeutet agile Forschung eigentlich? Und welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Forschenden in Organisationen und Unternehmen? Bianca Prommer von GrowFact und Heiner Junker von Produkt + Markt geben im Interview einen kleinen Vorgeschmack auf den Deeper Insights Day am 22. November 2022 von 11:00 bis 12:00 Uhr.

 

Agilität gehört zu den Buzzwords der 20er Jahre dieses Jahrhunderts. Es steht für viel mehr als nur für „schnell“. Welchen Benefit hat agile Forschung für Sie? Warum forcieren Sie das Gebiet?


Bianca Prommer:
In der agilen Marktforschung geht es weniger darum, die agilen Methoden auf die Praxis in der Marktforschung anzuwenden. Mal abgesehen davon, dass auch in der klassischen Marktforschung schon immer agile Prinzipien und Methoden ihren Platz hatten. Wir verstehen darunter, dass Research sinnvoll in agile Projekte eingebunden wird. Der Vorteil: In den Entwicklungsteams wird nicht mehr nur über die User, sondern mit den Usern gesprochen. Die Zielgruppen sind in jedem Entwicklungsschritt präsent und sorgen so dafür, dass alle Entscheidungen unter der Prämisse getroffen werden: „Was hat der Kunde davon?“ Durch die iterative Vorgehensweise aus Kundenfeedback und gezielter Verbesserung bleibt die Lösungsentwicklung auf Kurs und identifiziert Fehlentwicklungen frühzeitig – also bevor Zeit und Geld in Entwicklungen gesteckt werden, für die kein Kunde zahlen will.
 

Agiles Forschen geht eigentlich nur im Team. Dies birgt aber nicht nur Chancen, sondern immer auch Herausforderungen. Welche Hürden können sich da entwickeln und wie kann man die überwinden?


Heiner Junker: 
Vollkommen richtig. Es ist toll und hilfreich, wenn agile Teams selbst in den Dialog mit den Usern treten, um in deren Welt einzutauchen und Feedback einzuholen. Je genauer die Teams die User verstehen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Lösungen entwickeln, die die Kunden begeistern.

Wären da nur nicht diese Stereotype, Biases, Gruppendynamiken und Paradigmen, die immer wieder zu Fehlentwicklungen führen. Für agile Teams ist es nicht einfach, die Perspektive zu wechseln und vorbehaltlos in die Welt der User einzutauchen. Biases und Gruppendynamiken im Team können zu Fehlinterpretationen und damit zu Lösungen führen, die alles andere als nutzerzentriert sind. Agile Teams werden gern crossfunktional besetzt, um das Denken in Silos zu vermeiden und gegenseitige Inspiration zu ermöglichen. Vergessen wird dabei aber, dass die Teams mindestens einen gemeinsamen Hintergrund haben. Sie kommen nämlich alle aus derselben Organisation. Dadurch teilen sie eine gemeinsame Kultur und unterliegen den gleichen Paradigmen, die wie ein Filter wirken, wenn sie die Realität der User wahrnehmen. Prallt die eigene Perspektive auf die Realität der User, tun sich einige agile Teams schwer, ihre bewährten Wahrheiten aufzugeben und die Perspektive der User vorbehaltlos zu akzeptieren.

 

Im Werkzeugkoffer der agilen Coaches und der Researcher sollten daher immer Methoden verfügbar sein, mit denen die Teams ihre eigene Perspektive hinterfragen und die Offenheit für die User gestärkt werden kann.


Was können Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Deeper Insights Day am 22. November 2022 von planung&analyse und Produkt + Markt erwarten?


Bianca Prommer:
Die Inhalte unseres Vortrages haben unsere Kunden gesetzt. Wir haben sie gebeten zu beschreiben, welche Herausforderungen und welche Chancen sie in der agilen Forschung sehen und wie sie damit umgehen. Wir berichten aus der Praxis, was agile Forschung ausmacht, warum es funktioniert und woran es scheitert.

Heiner Junker
Die Teilnehmenden erfahren, welche Rollen sie in welchen Situationen ausfüllen sollten, damit die agilen Teams Lösungen entwickeln, die die User unbedingt haben wollen. Darüber hinaus liefern wir wertvolle Tipps, wie sich die Prinzipien der wissenschaftlichen Forschung und des agilen Managements erfolgreich zusammenführen lassen und welche Fehler auf dem Weg dahin unbedingt vermieden werden sollten.

 


Das Interview in der planung-analyse.

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